MEETING IN RIMINI 2015 – Favelas in Argentinien

CL    , ,  ·  7.Okt 2015  ·  0 kommentar  ·  von Davide Perillo
Ausstellung über den Dom zu Florenz

„ICH HABE LEUTE GESEHEN, DIE AUF DER SUCHE SIND“

 Pfarrer Carlos Olivero hat fast die ganze Woche auf dem Messegelände verbracht. Mit ein paar jungen Leuten aus den Favelas in Argentinien, wo er tätig ist. Er schildert uns seine Eindrücke.

„Ob ich zufrieden bin? Mehr als das. Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.“

Letztes Jahr war Pfarrer Olivero schon kurz beim Meeting gewesen, um ein Buch über die curas villeros, die „Slum-Pfarrer“ in Argentinien vorzustellen. Dieses Mal wollte er mit mehr Ruhe kommen und auch ein paar der jungen Leute mitbringen, die ihn jeden Tag in die Baracken der Villa 21-24 begleiten: ein Slum in Buenos Aires mit 60.000 Bewohnern, ein Meer an Leid, Armut, Drogen – und ein Schatz an Menschlichkeit.

Carlos „Charly“ Olivero ist 39 Jahre alt und Pfarrer der Gemeinde Virgen de Caacupé. Dieses Jahr war er also die ganze Woche auf dem Meeting, mit dreizehn Freunden, die mit ihm im Hogar del Cristo („Heimstatt Christi“) arbeiten, einem der Werke in „seinem“ Slum. Er hat in Rimini auch einen Vortrag gehalten über die Kirche in den Slums. Und er war die treibende Kraft hinter der Ausstellung, in der sie sogar einen Winkel des Slums nachgebaut hatten. Die jungen Leute „führten“ die Besucher hindurch und erzählten ihnen über das Leben dort, die Werke, die sie aufgebaut haben – und über sich selbst. Auch Pfarrer Olivero musste in hunderten von Begegnungen und Gesprächen immer wieder über seine Arbeit in den Slums berichten.

 

Pater "Charly" Olivero

Pater „Charly“ Olivero

Was war sein Eindruck vom Meeting? „Zuallererst Dankbarkeit. Ich habe hier viele Leute gesehen, die wirklich auf der Suche sind, und nicht nur oberflächlich. Deshalb hat mir der Titel des Meetings so gut gefallen.“ Auch dem Papst, der ihn in den nächsten Tagen empfangen wird, will er davon erzählen. „Ich hatte das Glück, an sehr schönen Veranstaltungen teilnehmen zu können. Aber die schönsten Dinge habe ich außerhalb der Vortragssäle und Ausstellungen erlebt.“ Einzelne Begegnungen, „besonders mit Grégoire Ahongbonon [der sich in Westafrika der psychisch Kranken annimmt]. Und das reine Herz von Rose [Busingye aus Uganda, der Verantwortlichen des Meeting Point International in Kampala]. Ihr Werk würde ich gerne besser kennenlernen. Aber es genügt, ihr in die Augen zu schauen: Das ist ein Mensch, der ganz von Gott erfüllt ist.“

Auch andere Gesichter vom Meeting haben sich ihm eingeprägt. Zum Beispiel die von Jugendlichen und Leitern von ähnlichen Werken wie seinem: L’Imprevisto, Piazza dei Mestieri, Novella, Kayros … Er hat mit ihnen über Erziehung und Arbeit gesprochen, Fragen und Erfahrungen ausgetauscht. „Es hat mir zum Beispiel sehr geholfen, die Leute von den sozialen Werken der Compagnia delle Opere zu treffen. Wir haben ähnliche Bedürfnisse und sind an einem vergleichbaren Punkt mit unserer Arbeit. Der Hogar de Cristo sucht nach Wegen der Inklusion, die die individuellen Bedürfnisse der Person berücksichtigen. Zu hören, wie andere dieses Verhältnis sehen, welche Methoden sie anwenden, hat mir sehr geholfen.“

„Und wie hat es deinen jungen Leuten gefallen?“ „Fantastisch! Sie sind sehr glücklich. Zuerst haben sie sich ein bisschen gefürchtet, ihre Armut öffentlich zu zeigen. Der Slum ist etwas, wofür man sich schämen muss. Die Leute in Buenos Aires meiden einen, wenn man da wohnt. Aber dann haben sie mit Großmut genau diese Armut zur Schau gestellt und festgestellt, dass sie mit Barmherzigkeit angenommen wurden. Sie fühlten sich geliebt. Das hat ihre Angst besiegt und sie mit unglaublicher Freude erfüllt. Hinzu kamen die Begegnungen mit anderen Jugendlichen, Italienern, Spaniern … Leute aus anderen Kulturen und Lebensumständen, die genauso nach Gott suchen. Das hat meine Jungs froh gemacht. Ich glaube, dass war eine sehr wichtige Erfahrung von Kirche für sie.“

von Davide Perillo

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