23. FEBRUAR: TAG DES FASTENS UND GEBETES FÜR DEN SÜDSUDAN

Aktuelles, Kirche    , ,  ·  21.Feb 2018  ·  0 kommentar  ·  von Andrea Avveduto

Pater Moschetti: „Darum lässt uns der Papst für den Südsudan und den Kongo beten“

Interview von Andrea Avveduto mit Pater Daniele Moschetti,  20.02.18

Papst Franziskus hat für Freitag, den 23. Februar, zu einem Tag des Fastens und Gebetes für den Südsudan und den Kongo aufgerufen. Pater Moschetti, der die Situation im Sudan gut kennt, erläutert, warum der Papst an Afrika besonders interessiert ist. Und warum es sich auch dort lohnt, sein Leben für Christus einzusetzen.

„Im Südsudan leiden gerade Millionen von Menschen Hunger. Hundertausende sind aufgrund des Krieges gestorben (auch wenn wir nicht exakt wissen, wie viele es sind, weil die Regierung sich weigert, sie zu zählen).“

Pater Daniele Moschetti, Comboni-Missionar, wurde vor 58 Jahren in Castiglione Olona in der Provinz Varese geboren. Heute erreichen wir ihn am Sitz der Vereinten Nationen in New York, wo er seit wenigen Monaten ein neues und schwieriges Amt hat, als Anwalt des Südsudan, wo er sieben Jahre lang gelebt hat. Heute ist das Land verwüstet durch einen langen und leidvollen Bürgerkrieg, der die Bevölkerung in eine beispiellose humanitäre Notlage gestürzt hat.

Nach der Unabhängigkeit, die durch die Abspaltung vom Sudan im Jahr 2011 erreicht wurde, waren die Aussichten eigentlich gut, auch dank der großen Erdölvorkommen, die die junge Wirtschaft stützen konnten. Schon nach wenigen Jahren traten aber große Spannungen auf zwischen den beiden wichtigsten Führern des Landes, dem Präsidenten Salva Kiir und dem Vizepräsidenten Riek Machar. Das reichte, um das Land ins Chaos zu stürzen.

 Pater Moschetti, der Papst hat für diesen Freitag, 23. Februar, einen Tag des Fastens und des Gebetes für den Frieden im Kongo und Südsudan ausgerufen. Was denken Sie, warum?

Als ich ihn im Oktober vergangenen Jahres getroffen habe, um ihm mein Buch zu übergeben (Sud Sudan. Il lungo e sofferto cammino verso pace, giustizia e dignità, zu dem der Papst ein Vorwort geschrieben hat), bat ich ihn, gemeinsam mit meinen Mitbrüdern, unser Land zu besuchen.

Er sollte im Oktober kommen, mit Justin Welby, dem Erzbischof von Canterbury. Aber es gelang nicht, das zu organisieren. Er wäre eine historische Reise geworden. Der Papst sagt, man lasse ihn nicht. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätte er es anders gemacht … Die Situation dort wird aber jetzt wirklich katastrophal. Und dieser Tag des Fastens zeigt nur, dass der Papst sich weiter für unser Land einsetzt und aufmerksam die Dramen in diesen Ländern verfolgt, die zu den größten Katastrophen unserer Zeit gehören.

Papst Franziskus mit Pater Daneile Moschetti

 

Abgesehen von dem Appell des Papstes findet man sehr wenig in den Zeitungen über diese Kriege, die Afrika zerreißen. Was bedeutet dieser von Franziskus ausgerufene Tag des Fastens und Gebetes für uns?

Jeder Christ ist dazu aufgerufen, ein universelles und missionarisches Herz zu haben und seine Aufmerksamkeit über sein eigenes Haus und Land hinauszurichten. Leider erlebt Italien gerade auch keine einfachen Zeiten. Und auch Papst Franziskus leidet darunter. Die Gefahr ist, dass man auf zu viele Mauern stößt. Aber wir können nicht gleichgültig sein angesichts der unzähligen Menschen in aller Welt, die am Rande stehen. Wenn man dann noch bedenkt, dass der Kongo und der Südsudan zu den reichsten Ländern der Welt gehören, was die Bodenschätze anbelangt … Aber die werden leider immer wieder von anderen ausgebeutet.

 Ist es Ihrer Meinung nach gerade dieser Aspekt, der dem Frieden entgegensteht?

In erster Linie, würde ich sagen, ist es ein Problem der Stammesgegensätze. Das lässt sich nicht leugnen. Aber wir dürfen nicht vergessen, was der Kolonialismus in diesen Ländern angerichtet hat. Wenn Afrika mehr Möglichkeiten hätte, seine eigenen Ressourcen zu verwalten, wäre die Situation vielleicht anders. Heute aber wird es ausgebeutet durch die multinationalen Konzerne. Denken wir nur an das Coltan, ein Erz, das zu 80 Prozent im Kongo vorkommt und die Grundlage für die Batterien unserer Handys ist. Es wird von den großen Konzernen in aller Welt benützt, dabei geht es um Milliarden. Die afrikanischen Politiker spekulieren auf dieses Geschäft. So werden sie oft zu Marionetten derjenigen, die sie an die Macht gelangen lassen, um sie dann steuern zu können. Solange diese Interessen da sind, wird eine weitere Entwicklung der betroffenen Länder unmöglich, und es ist nicht an Frieden zu denken. Papst Franziskus unternimmt gerade große Anstrengungen, um die Aufmerksamkeit auf eine Wirtschaft zu lenken, die tötet. Und er tut dies mit Bildern aus Ländern, in denen Krieg herrscht: Südsudan und Kongo, aber auch Libyen und Syrien.

 Wie antwortet die Kirche im Südsudan auf dieses Problem?

Im Südsudan haben die Kirchen immer allen geholfen, besonders während der humanitären Krisen. Augenblicklich sind sie die einzig glaubwürdigen Organisationen und haben sich in einem Rat der Kirchen zusammengeschlossen (Anglikaner, Katholiken, etc.). Es war ein großes Zeichen der Einheit, dass die anglikanischen Kirchen auch den Appell des Papstes zum Fasten und Gebet aufgegriffen haben. Heute sind wir wirklich das Zeichen Jesu Christi, der weiterhin gegenwärtig ist auch inmitten von Krieg und Leid. Für die Leute ist das sehr wichtig. Im Unterscheid zu den Nichtregierungsorganisationen, die alle das Land verlassen haben, sind die Missionare und Ordensleute geblieben. Was uns ermutigt hat zu bleiben und zu helfen, ist genau dieses Zeugnis, das wir einander geben, und die Tatsache, dass das für die Menschen ein Zeichen der Nähe Gottes ist. Kirche zu sein im Südsudan bedeutet, sein Leben einzusetzen für Christus – und damit für den Nächsten.

von Andrea Avveduto

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